Presse Archiv 2010

HSV-Boxen und Body Attack unterstützen Straßenkinderprojekt in Afrika

Wasser und Strom sind hier so selten wie gutes Essen und Abwechslung. Die Straßen eher Schotterpisten, die Hütten aus Lehm und Wellblech. Tiere, Kinder und Erwachsene verbringen ihre Zeit auf den Strassen, suchen im Müll nach Essbaren und versuchen bestmöglich durch den Tag zu kommen. Die Sonne brennt erbarmungslos, die Luft riecht unangenehm nach einem Mix aus Abfall, toten Tieren, Schweiß und zumindest für Europäer ungewöhnlichen Lebensmitteln.

Inmitten diesem friedlichen Chaos am Rande der tansanischen Stadt Arusha im Osten Afrikas befindet sich das Straßenkinderprojekt Chiswea (www.chiswea.com). Hier leben ungefähr 60 Kinder, Jungen und Mädchen zwischen 6 und 20 Jahren, die keine Eltern mehr haben oder die von ihren Familien verstoßen wurden, was in diesem Land leider keine Seltenheit ist. Hier finden sie ein zu Hause, werden in einigen Fächern unterrichtet, bekommen regelmäßige Mahlzeiten und haben eine mehr oder weniger funktionierende Gemeinschaft aufgebaut. Volunteers und Entwicklungshelfer aus Europa arbeiten hier ehrenamtlich und mit viel Engagement, um wenigstens einen kleinen Tropfen auf dem heißen Stein flüssig zu halten. Die Kinder danken es in einer kaum vorstellbaren Dankbarkeit – sie haben nichts und sind doch so glücklich für jedes kleine Zeichen an Hilfsbereitschaft und Liebe. Michael Wendt, Boxtrainer der Abteilung HSV-Boxen, hat diesen Ort besucht und den Kindern ein einmaliges Erlebnis ermöglicht: eine Trainingsstunde im Boxen! Gut ausgestattet mit Bandagen und Mundschutz als Spende des Ausstatters BODY ATTACK FIGHT führte Michael die Kinder und Jugendlichen in die Grundlagen des Boxens ein. Sportkleidung und Sporträume gibt es nicht, lediglich einen großen kahlen Raum mit Steinfußboden, der eigentlich als Essensraum genutzt wird.

Hier wurden kurzerhand Tische/Stühle beiseite geschoben, ein alter selbst gebastelter Sandsack aufgehängt und schon ging es los: Michael überreichte jedem Teilnehmer die knallroten Bandagen von BODY ATTACK, die ihm fast aus der Hand gerissen wurden. In der nun folgenden Trainingseinheit bei 35 Grad kam aber nicht nur der Trainer ins schwitzen, denn auch die Kids gaben Vollgas und versuchten einander selbst zu übertreffen – in der Hoffnung dass der „große weiße Boxchamp aus Europa“ sie aus ihrer Armut befreien kann ... Nicht nur für die Kinder in Arusha ein einmaliges Erlebnis – sondern auch für unseren Trainer Michael Wendt: „Unglaublich, mit was für einer Herzlichkeit und Freude ich an diesem doch eher traurigen Ort empfangen wurde. Man sieht plötzlich viele Dinge ganz anders und differenzierter. Und auf sportlicher Ebene hat sich hier einmal mehr gezeigt: Der Sport, und vor allem der Boxsport, elektrisiert Menschen in aller Welt gleichermaßen und verbindet die Kontinente.“ Vielen Dank an dieser Stelle auch noch mal für unseren Ausstatter BODY ATTACK FIGHT, der mit seiner Spende einen großen Teil zur Freude der Kids beigetragen hat!


erschienen in der HSV-live Ausgabe 14-2010

Nienstedten boxt sich durch den Winter

Während der Winter derzeit kein geregelten Trainings- geschweige denn Spielbetrieb zulässt, vertreiben sich die meisten Teams die Zeit mit Besuchen von Soccerhallen oder treffen sich in Schulsporthallen, um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Da aber keiner genau weiß, wann es wieder rund geht auf Hamburgs Sportplätzen, werden die Trainer von Ober- bis Kreisliga immer wieder gezwungen, Alternativprogramme für ihre Spieler zu gastalten, denn drei- bis viermal in der Woche die Indoor-Zentren zu besuchen, wird auf Dauer auch für die Fußballverrücktesten langweilig.

Die Reserve des SC Nienstedten hat neben dieser Art von Vorbereitung jetzt ein außergewöhnliches Training bestritten. Im Hankook Sportcenter in Stellingen begaben sie sich auf die Spuren von Schmeling, Maske, Klitschko & Co und bekamen ordentlich etwas auf die Ohren. HSV-Boxtrainer Michael Wendt machte die Truppe mit einem abnormen Training fit. Gerade im Bereich der Ausdauer und Koordination hängen Fußballer weit zurück, aus diesem Grund ließ der ehemalige Fußballer (spielte früher selbst aktiv beim SC Victoria II) die Mannen ordentlich schwitzen. Schon beim 20-minütigen Aufwärmprogramm mussten die Kicker immer wieder unterbrechen oder man hörte quälendes Stöhnen, der sonst so wortgewaltigen Spieler. Schweiß lief, man spürte Muskeln und Sehnen von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt und einige waren schon am Rande des Kollaps, „dabei war das nur ein lockeres Warm-up“, konstatierte Wendt leicht schmunzelnd. Im zweiten Teil der Trainingseinheit durften sich die Quellentaler dann endlich die Boxhandschuhe überstreifen und leichtes „Sparring“ mit ihren Kameraden machen. Was im Fernsehen alles so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit aber sehr harte Arbeit. Zwei Minuten gegen einen Sandsack oder einen Medizinball boxen, erfordert viel Kondition und vor allem Koordination. Einige Spieler überschätzten sich dabei und mussten immer wieder über ihre Grenzen hinausgehen. „Man konnte aber auch feststellen, dass in dem Moment, wo die Spieler die Handschuhe übergezogen hatten, gleich ein gewisses Aggressionspotenzial raus musste“, stellte SCN-Coach Nils Kuntze-Braack fest. Letztendlich war der sportartübergreifende Ausflug aber nicht nur für die Ausdauer gut, sondern vor allem gegen die Langeweile in der Vorbereitung. „Mir hat das heute Riesenspaß gemacht, auch wenn ich mich morgen wahrscheinlich kaum bewegen kann“, sagte Nienstedtens Verteidiger John Schäfer anschließend. „Das Team hat heute sehr gut mitgezogen, möglich, dass wir das generell in unsere Vorbereitungsprogramme mit aufnehmen“, so Kuntze-Braack, „aber wir werden uns bis zum Rückrundenstart auch noch anderen Aktivitäten widmen, denn Langeweile darf gar nicht erst aufkommen. Da ich nicht vor Mitte März mit einem geregelten Spielbetrieb rechne, muss man den Jungs etwas bieten. Da leider die Sponsoren- und Vereinskassen gähnend leer sind, müssen alle Aktivitäten aus der Mannschaftskasse bezahlt werden, aber was tut man nicht alles für ein gehaltvolles und interessantes Training.“

erschienen in „Fußball Hamburg“ Ausgabe 07-2010